02.06.2015
Offene oder geschlossene Fragen in Befragungen?


Facebooktwittergoogle_pluslinkedinmailFacebooktwittergoogle_pluslinkedinmail

Wussten Sie, dass mit der Art der Fragen in einem Fragebogen auch maßgeblich der Erfolg oder Misserfolg einer Befragung beeinflusst wird? Je nachdem, welche Fragearten in welcher Häufigkeit genutzt und wie die Fragen formuliert werden,

  • sind die Befragten mehr oder weniger motiviert und können sogar
  • bei der Wahl der Antworten beeinflusst werden.

Daher ist es wichtig zu wissen, was es mit offenen und geschlossenen Fragen auf sich hat, wie man diese Fragetypen gezielt einsetzt und welche Fehler man beim Entwerfen von Fragen vermeiden sollte.

Geschlossene Fragen – der Klassiker in standardisierten Fragebögen

Geschlossene Fragen in einer MitarbeiterbefragungBei dieser Fragevariante hat der Antwortende eine vorgegebene Auswahl an Antworten, zwischen denen er sich entscheiden kann. Der Freiheitsgrad dieser Antwortmöglichkeiten kann folgendermaßen variieren:

  • Ja-Nein-Fragen (Beispiel: Fühlen Sie sich gerade wohl?)
  • Richtige-Antwort-Fragen (Beispiel: Bitte unterstreichen Sie die Gefühle, welche Sie gerade empfinden: Freude, Ablehnung, Glück usw.)
  • Beste-Antwort-Fragen (Beispiel: Bitte kreuzen Sie die Aussage an, die auf Sie am besten zutrifft: Ich bin sehr glücklich; ich fühle mich sehr wohl/ wohl/ unwohl/ ich bin unzufrieden)
  • Rating-Skalen bei Bewertungs-Fragen (Beispiel: Wie wohl fühlen Sie sich? Angeboten wird eine Antwortskala von eins bis sechs.)


Vor allem bei der letzten Variante ist es wichtig, dass Sie ausreichend Hinweise zum Ausfüllen bieten. Soll die Bewertung beispielsweise nach Schulnoten erfolgen? Oder spiegelt die höchste Zahl die größte Zustimmung wieder? Nur wenn die Befragten genau wissen, was von ihnen erwartet wird, erhalten Sie auswertbare Ergebnisse! Trotz dieser Notwendigkeit liegen die Vorteile von geschlossenen Fragen klar auf der Hand:

  • Sie erhalten präzise Antworten.
  • Die Umfrageteilnehmer haben keine Möglichkeit, vom Thema abzuschweifen.
  • Ein Fragebogen mit geschlossenen Fragen ist weniger aufwendig auszufüllen.
  • Die Antworten sind besser vergleichbar.

Dennoch bergen geschlossene Fragen auch ein gewisses Risiko und bedeuten mehr Aufwand: Zum Einen muss schon bei der Fragenerstellung genauestens überlegt werden, welche Fragen gestellt werden sollen und ob diese auch verständlich sind. Auch die Wahl der Antwortmöglichkeiten sollte gut überlegt sein. Unerfahrene Fragebögenersteller bieten beispielsweise die Antwortmöglichkeit „Weiß nicht“ oftmals nicht an, wodurch die Befragten gezwungen werden etwas anzukreuzen, was sie möglicherweise gar nicht bewerten können oder wollen. Darüber hinaus haben sie keinerlei Möglichkeiten, eigene Ideen und Feedback in solch einem durchstrukturierten Fragebogen einzubringen.Offene Fragen in einer Mitarbeiterbefragung

Offene Fragen – Platz für die Gedanken der Befragten

Möchten Sie diesem Problem Abhilfe schaffen, empfehlen sich offene Fragen. Bei dieser Variante können die Umfrageteilnehmer zu einer Frage (Beispiel: Was könnte Ihrer Meinung nach getan werden, um […] zu verbessern?) ihre eigenen Antworten, Überzeugungen und Einstellungen in einem dafür vorgegebenen Feld formulieren. Die Vorteile von offenen Fragen sind vielfältig:

  • Die befragten Personen haben viel Platz, um Ihr Feedback kundzutun.
  • Sie werden dabei nicht durch vorgegebene Antwortmöglichkeiten gelenkt.
  • Dadurch können sich Aspekte oder Ideen auftun, auf die sie nicht gekommen wären.
  • Die Entwicklung eines Fragebogens mit offenen Fragen ist deutlich einfacher.

Doch auch hierbei gibt es Nachteile: Der wohl Größte für die Bearbeiter der ausgefüllten Fragebögen: Die Antworten offener Fragen sind oft nur schwer vergleichbar, da nur wenige messbare Kriterien vorhanden sein werden. Aber auch den Befragten fordert diese Variante einiges ab: Zum Einen werden gewisse Artikulationsfähigkeiten vorausgesetzt und es besteht die Gefahr, dass sie beim Antworten abschweifen, zum Anderen ist der Aufwand beim Ausfüllen deutlich höher.

Die Mischung macht’s

Offene und geschlossene Fragen in einer MitarbeiterbefragungWie so oft im Leben führt ein guter Kompromiss zum Erfolg einer Befragung: Überlegen Sie für jede Frage, ob es an dieser Stelle sinnvoll ist, eine offene oder geschlossene Frage zu stellen. Selbst wenn Sie sich für einen durchweg hoch standardisierten Fragebogen entscheiden, können Sie am Ende jedes Frageabschnittes Platz für eigene Anmerkungen und Ideen lassen. So erhalten Sie für alle relevanten Fragen auf jeden Fall ein Ergebnis, welches messbar und somit auswertbar ist, bieten aber genug Raum, um von den kreativen Ideen oder dem konstruktiven Feedback der Befragten zu profitieren. Doch unabhängig davon, ob Ihre Fragen offen oder geschlossen sind, eines sollten Sie in jedem Fall vermeiden: Stellen Sie keine Suggestivfragen, welche die Umfrageteilnehmer beim Beantworten in eine Richtung lenken. Ein sehr negatives Beispiel wäre: „Meinen Sie nicht auch, dass […]?“ Durch diese indirekte Vorgabe sinkt die Wahrscheinlichkeit drastisch, ehrliche Antworten zu erhalten. Wenn Sie Interesse daran haben, eine Befragung durchzuführen, scheuen Sie sich nicht, unser Team zu kontaktieren. Wir führen seit Jahren erfolgreich Umfragen durch und stehen auch Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite.